Chronik des Rettungsdienstes in Reken

1890 - 1977 Entwicklung des Krankentransports

In Reken entstand der erste Krankentransportdienst mit der Inbetriebnahme des Krankenhauses im Jahr 1890. Der Transport von Kranken erfolgte in dieser Zeit mit einer Krankentrage, die auf zwei großen Rädern gelagert war. Zum Schutz vor Unwetter und neugierigen Blicken war diese Trage mit einer wasserdichten Schutzhaube überdacht. Dieser erste Krankenwagen stand im Flur des Krankenhauses und wurde bei Bedarf von Nachbarn und Verwandten geholt und mit dem Kranken zum Krankenhaus zurückgebracht.
Natürlich nahm in einem solchen Fall das ganze Dorf regen Anteil an der Krankenhauseinlieferung und zu gerne hätte man gewusst, wer da unter dem Regenschutz lag.

1939 wurde von der Gemeinde der erste motorisierte Krankenwagen, ein Mercedes, gekauft. Er wurde vom Gastwirt Hermann Sicking (Kösmanns Hermann) gefahren und war in dessen Garage stationiert.

1944 wurde zusätzlich das Feuerwehrfahrzeug für Krankentransporte verwendet. Im gleichen Jahr wurde ein Transport des Krankenwagens von alliierten Jagdflugzeugen, von der Einsatzstelle bis zum Krankenhaus, begleitet. Mit dem Abzug der Wehrmacht im Jahre 1945 verschwand auch dieser Krankenwagen. Danach wurde von der Gemeinde für die Feuerwehr ein ausgedientes Wehrmachtsfahrzeug angeschafft. Dieser diente neben dem Mannschaftstransport bei Feuerwehreinsätzen, auch zum behelfsmäßigen Krankentransport.

1959 gab es auf der Straße Berge, in Höhe der Waldkapelle, einen schweren Verkehrsunfall mit 2 Toten und mehreren Verletzten. Da der Krankenwagen aus Borken einen anderen Einsatz hatte, konnten die Verletzten lange Zeit nicht zum Krankenhaus transportiert werden. Dieser Einsatz war ein Grund dafür, dass die Gemeinde Reken im Jahr 1960 dann einen ordentlichen VWKrankenwagen beschaffte. Auch dieser wurde bis 1963 bei der Gaststätte Sicking untergestellt. Von 1963 bis 1965 stand er bei Heinrich Ostendorf. Es bildete sich eine Gruppe von Feuerwehrleuten, die abwechselnd Bereitschaftsdienst machten und das Fahrzeug jeweils mit nach Hause nahmen. Die telefonische Notrufnummer war zu dieser Zeit auf einen privaten Telefonanschluss gelegt. Beim Eingehen eines Notrufs fuhr der jeweils diensthabende Krankenwagenfahrer häufig alleine zum Einsatzort. Damals war es üblich, dass Nachbarn und Angehörige des Kranken beim Transport der Trage in den Krankenwagen mithelfen mussten. Dass sich aus diesem Krankentransportdienst ein schlagkräftiger Rettungsdienst entwickelte, ist viel auf das persönliche Engagement der Einsatzkräfte dieser frühen Tage zurückzuführe.

Mit dem Umzug der Feuerwehr in das neue Feuerwehrgerätehaus im Jahre 1965, wurde auch der Krankenwagen dort untergebracht. Engelbert te Kronnie wurde als erster hauptberuflicher Gerätewart eingestellt, der neben der Pflege der Feuerwehrausrüstung, auch den Krankenwagen besetzte. Ihm folgten in den kommenden Jahren Wilhelm Lohaus und Josef Altrogge. Bis zur Inbetriebnahme der Kreisleitstelle in Borken, war die Notrufnummer 112 im neuen Feuerwehrgerätehaus aufgelegt. Bei Bedarf konnte sie von da auf einen privaten Telefonanschluss umgeleitet werden. 1973 wurde ein neuer Krankenwagen angeschafft.

1978 - 2008 Rettungswache Reken

In den 70er Jahren wurde mit der kommunalen Neugliederung der Kreis Borken zum Träger des Rettungsdienstes. Im Jahr 1978 trat die Vereinbarung zwischen dem Kreis Borken und der Gemeinde Reken in Kraft, die den Betrieb der Rettungswache regelte. In diesem Jahr wurde auch der erste Rettungswagen nach heutigem Verständnis in Dienst gestellt. Der Mercedes war deutlich größer und besser ausgestattet als der bisher verwendete VW-Krankenwagen. Die vormaligen Gerätewarte der Feuerwehr wurden zu den ersten hauptberuflichen Rettungskräften der neu entstandenen Rettungswache Reken. Die Notrufnummer 112 wurde zur Kreisleitstelle in Borken geschaltet, die ab jetzt die Einsätze der kleineren Gemeinden im Kreis Borken koordinierte. Die größeren Städte fragten zunächst die Notrufe weiterhin selbstständig in den Zentralen der Feuerwachen ab.

Die Hilfsorganisationen in Deutschland entwickelten verschiedene Lehrgangskonzepte aus denen u.a. auch die Ausbildung zum Rettungssanitäter hervorging. Das Personal eines Krankenwagens erhielt nun eine kurze medizinische Ausbildung und war in der Lage überlebenswichtige Basismaßnahmen bis zum Eintreffen eines Arztes oder bis zur Ankunft im Krankenhaus durchzuführen. Es hatte sich durchgesetzt, dass ein Krankenwagen grundsätzlich mit 2 Einsatzkräften ausrücken musste, damit der Kranke oder Verletzte währende der Fahrt betreut, und die Trage mit 2 Personen getragen werden konnte. So bildete sich eine Gruppe speziell geschulter Feuerwehrleute heraus, die gemeinsam mit den Gerätewarten den Krankenwagen besetzten. Mit der Einführung von tragbaren Funkmeldeempfängern im Jahr 1980 konnte erstmals ein geregelter Notfalldienst eingerichtet werden, bei dem Sanitäter der Feuerwehr durch Funkalarm von zu Hause zum Einsatz gerufen werden konnten.

1983 nahm das Notarzteinsatzfahrzeug der Feuerwehr Borken den Betrieb auf und brachte bei Bedarf einen Notarzt aus dem Krankenhaus zu Einsatzstellen in Borken und den Nachbargemeinden, und somit auch nach Reken. Beim so genannten, und bis heute üblichen, Rendezvous-Verfahren, treffen Rettungswagen und Notarzteinsatzfahrzeug an der Einsatzstelle zusammen. Der Arzt führt lebensrettende medizinische Maßnahmen durch und begleitet den Patienten auf dem Weg ins Krankenhaus.

Im Jahr 1986 wurde die Mannschaft der Rettungswache um 2 Zivildienstleistende erweitert. An den Wochenenden machten freiwillige Feuerwehrmänner Bereitschaftsdienst von zu Hause. Dies änderte sich jedoch bald und die diensthabenden Einsatzkräfte mussten dauerhaft an der Rettungswache anwesend sein um schnellst möglich den Rettungswagen besetzen zu können. Seit dieser Zeit ist die Rettungswache Reken rund um die Uhr, 24 Stunden am Tag, dauerhaft mit 2 Rettungskräften besetzt und einsatzbereit.

Mit der immer komplexer werdenden Technik im Rettungsdienst, den immer umfangreicher werdenden medizinischen Maßnahmen und dem immer größer werdenden Aufgabengebiet der Einsatzskräfte, war schon in den frühen 80er Jahren klar, dass ein dreimonatiger Lehrgang zum Rettungssanitäter für ein ganzes Berufsleben im Rettungsdienst nicht mehr ausreichend sein würde. Nach zähem, berufspolitischem Ringen, wurde 1989 dann deutschlandweit das Berufsbild des Rettungsassistenten eingeführt. Das nichtärztliche Personal im Rettungsdienst erhielt erstmals eine zweijährige Ausbildung, welche als vollwertiger Lehrberuf anerkannt wurde. Heute sind alle hauptberuflich Beschäftigten der Rettungswache Reken Rettungsassistenten.

Aufgrund der Lage als ländliche Außenwache mit langer Anfahrt zum nächsten Krankenhaus und weil der Rettungswagen regelmäßig vor dem Notarzteinsatzfahrzeug an der Einsatzstelle eintrifft, hatte man sich in Reken schon früh um eine gute und umfassende Ausbildung der Einsatzkräfte bemüht. So wurden in den 80er und 90er Jahren, in Zusammenarbeit mit der Feuerwehr, mehrfach Lehrgänge durchgeführt um Feuerwehrsanitäter zu schulen und das hauptamtliche Rettungsdienstpersonal in der Anwendung erweiterter lebensrettender Maßnahmen zu unterrichten.

Ende der 90er Jahre endete der Einsatz von Zivildienstleistenden an der Rettungswache Reken. Durch die immer kürzer werdende Dienstzeit und die immer höher werdenden Anforderungen im Rettungsdienst, ist ihr Einsatz nicht mehr sinnvoll. Heute werden größtenteils die 8 hauptberuflichen Rettungsassistenten und geringem Umfang ehrenamtliche Rettungsassistenten und Sanitäter eingesetzt. Alle Rettungsdienstmitarbeiter müssen jährlich eine 30- stündige Fortbildung absolvieren.

In den frühen Tagen des Rettungsdienstes organisierte man die Annahme und den Ablauf von Einsätzen selber. Mit der Inbetriebnahme der Kreisleitstelle Borken folgte eine Übergangszeit, in der die Abfrage von Notrufen und die Koordinierung von Rettungsdiensteinsätzen in Zusammenarbeit erfolgte. Heute ist die Rettungswache Reken voll an die Kreisleitstelle angeschlossen. Die Notrufabfrage erfolgt ausschließlich durch die Mitarbeiter der Leitstelle, die rechnergestützt den Rettungsdienst über digitale Meldeempfänger alarmieren und Einsatzdaten per Internet auf einen Alarmdrucker in der Rettungswache senden. Sollte der Rettungswagen in einem anderen Einsatz gebunden sein, wird automatisch das nächststehende Rettungsfahrzeug geschickt.

 Im Jahr 2003 wurde ein neuer Rettungswagen in Dienst gestellt. Zum ersten Mal wurde hier ein so genannter Kofferaufbau verwendet, wie man ihn bisher nur von amerikanischen Ambulanzen kannte. Aus dem ehemaligen reinen Transportdienst mit Fahrzeugen, die nicht mehr als eine Krankentrage als Ausrüstung hatten, ist heute ein moderner Rettungsdienst entstanden. Die Idee, einen lebensbedrohlich erkrankten oder verletzten Patienten direkt an der Einsatzstelle zu behandeln (stay and play) hat sich durchgesetzt. Nur wenige Krankheitsbilder oder Verletzungsmuster erfordern heutzutage einen schnellst möglichen Transport (load and go) mit Blaulicht und Martinshorn ins Krankenhaus. Der Rettungswagen der Wache Reken ist modern ausgestattet und gibt den Rettungskräften die Möglichkeit einen Patienten mit allen Mitteln der modernen Notfallmedizin zu versorgen. Es ist sichergestellt, dass immer ein Notarzt hinzugezogen werden kann und die Rettungsassistenten können bis zu seinem Eintreffen alle notwendigen lebensrettenden Maßnahmen ergreifen.

2009 bis heute

2012 wurde die Fahrzeughalle der Rettungswache erweitert. Die mittlerweile für moderne Rettungswagen zu klein gewordene Halle wurde verlängert und mit einer Abgasabsauganlage ausgestattet.

2013 wurden die Sozial- und Arbeitsräume der Rettungswache komplett neu gestaltet und renoviert.

2014 wurde ein weiterer Rettungsassistent eingestellt, so dass die Personalstärke nun 9 hauptamtliche Mitarbeiter beträgt. 

Löschzug Groß Reken
Am Wehrturm 12
48734 Reken
Tel. (0 28 64) 944 450

Löschzug Klein Reken
Mühlenweg 4D
48734 Reken
Tel. (0 28 64) 88 38 13

Löschgruppe Maria Veen
Am Kloster 11
48734 Reken
Tel. (0 28 64) 32 45 35